Interview

Neun Jahre nach Armin Brunner hat Wasa mit Roman Mittelholzer (Jg. 1992) wieder einen U19-Nationalspieler. Anfang Februar gab er in Lettland einen erfolgreichen Einstand in den Schweizer Farben. Wie Roman das Turnier erlebt hat, was es seiner Ansicht nach braucht, um U19-Nationalspieler zu werden, und warum Wasa den Cup-Final gewinnen wird, erzählt er im Interview.
Roman, herzliche Gratulation zu deinem gelungenen Debut als U19-Nationalspieler!
Herzlichen Dank.
Mitte Januar hast du dein erstes U19-Nati-Aufgebot bekommen. Hast du damit gerechnet?
Ich habe die ganze Zeit gehofft, dass ich es irgendwann einmal schaffen würde, aber damit gerechnet habe ich eigentlich nicht. Weil als ich in der U17 war, konnte ich schlussendlich nicht nach Tenero ins U19-Lager gehen und habe dann gedacht, dass der Zug für mich abgefahren sei. Aber ich war sehr glücklich über das Aufgebot.
Was war das für ein Gefühl, als du realisiert hast, dass du mit der Nati nach Lettland reisen darfst?
Es hat mich sehr gefreut, doch realisiert habe ich es erst ein bisschen später. Am Anfang war ich noch kritisch, als ich das Telefon von meiner Mutter bekommen habe, dass ein Aufgebot zuhause liegt, ob es wirklich wahr sei. Doch als ich dann das Aufgebot selber sah, hatte ich mich sehr gefreut und war überglücklich neue Erfahrungen sammeln zu können.

Wie hast du das erste Zusammentreffen mit dem Trainerstaff und den Natikollegen erlebt?
Das erste Zusammentreffen lief gut, weil ich die meisten im Team aus anderen Auswahlen schon gekannt habe. Die Anderen habe ich nachher schnell kennengelernt. Ich hatte bereits am ersten Abend ein Einzelgespräch mit dem Staff und konnte mich so schnell an sie gewöhnen und von ihnen profitieren. Da das Klima in der Mannschaft sehr gut war, habe ich mich schnell wohl gefühlt.
Mit welchen Erwartungen bist du nach Lettland gereist? Hast du dir etwas Bestimmtes vorgenommen?
Im ersten Wochenende in Zuchwil habe ich mir ein bisschen zu viel vorgenommen und wurde schnell nervös, als die einzelnen vorgenommenen Sachen nicht geklappt haben. Doch nach weiteren Gesprächen mit dem Staff, die mir die Angst sehr gut genommen haben, konnte ich mich ein bisschen lockerer auf Lettland vorbereiten. Natürlich habe ich mir auch dann viel vorgenommen, doch dadurch, dass mir die Nervosität ein bisschen genommen wurde, konnte ich die vorgenommenen Sachen besser umsetzen.
Du hast 4 Assists gebucht und wurdest im Spiel gegen Polen Best Player. Bist du zufrieden mit deinem Einstand im Dress der U19-Nati? Wie fällt deine Bilanz aus?
Es gibt viel Positives, das ich mit nach Hause genommen habe, wie z.B. die Erfahrung ein Länderspiel zu bestreiten oder neue Erfahrungen auf dem Spielfeld usw. Doch ich habe gemerkt, dass ich noch sehr an mir arbeiten muss, um in dem endgültigen Kader zu stehen. Mit dem Einstand war ich zufrieden, es hätte ein bisschen besser laufen können, z.B. dass ich nicht krank geworden wäre, oder natürlich hat es mich ein bisschen genervt, dass ich kein Tor geschossen habe, weil ich das sehr schön gefunden hätte, doch ansonsten bin ich zufrieden.

Was wird dir vom Turnier in Lettland am stärksten in Erinnerung bleiben?
Sicher als der Speaker nach dem Spiel gegen Polen meinen Namen zum Best Player aufgerufen hat. Diesen Moment werde ich so schnell nicht wieder vergessen. Doch auch sonst: Mit dem Flugzeug nach Lettland zu fliegen nur um Unihockey zu spielen war für mich auch etwas sehr Spezielles und auch Neues. Auch im Team hatten wir Spass und konnten die Zeit geniessen und viel aus dem Turnier herausholen. Auch eine sehr gute und bleibende Erfahrung ist auf dem Feld und auf dem Flughafen in Prag die Nationalhymne selbst zu singen und nicht einfach im Publikum zu sitzen.
Was ist anders in der Nati als bei Wasa in der U21?
Eigentlich fast alles. Ausser dass ich den gleichen Stock und die gleichen Schuhe anhatte, war so ziemlich alles anders. Wir spielten ein anderes System und das Niveau war höher im Training wie auch in den Matches. In der U19 ist es sehr professionell, z.B. haben wir 1 Trainer, 2 Assistenztrainer, 1 Materialchef und 1 Physiotherapeutin. Und natürlich noch ein weiterer Unterschied ist, dass wir nach dem Einmarsch noch die Nationalhymne anstimmen durften.
Was braucht es deiner Meinung nach alles, um vom kleinen Junior zum U19-Spieler zu werden? Wieviel Prozent macht das Talent aus? Wie viel Prozent Wille und Ehrgeiz?
Das ist sehr schwer so zu sagen, weil es immer ein bisschen anders ist. Es gibt Spieler, die haben sehr viel Talent, aber denen fehlt der Ehrgeiz und der Wille. Und es gibt solche, die haben weniger Talent, aber sehr viel Ehrgeiz, doch bei beiden Spielern wird irgendwann einmal fertig sein, weil sie an ihre Grenzen kommen, physisch oder psychisch, und darum ist die richtige Mischung sehr wichtig. In tieferen Liegen wie U16 oder C-Junioren braucht man Talent um gut zu sein, doch je weiter man kommt, desto grösser muss der Wille und der Ehrgeiz sein weiter zu kommen als alle anderen. Und wenn man diese Fähigkeit besitzt, kann man sehr weit kommen. Also würde ich sagen etwa fifty-fifty Prozent, also von beidem muss man sehr viel haben.

Armin Brunner war der letzte U19-Natispieler von Wasa. Er ist 9 Jahre älter als du und hat es bis in die A-Nati (bisher 45 Länderspiele) und nach Schweden geschafft. Was geht dir durch den Kopf, wenn du das hörst? Bist du ein zweiter Armin Brunner? Wäre Schweden auch mal ein Thema für dich?
Dieser Vergleich ehrt mich sehr, denn ich sehe Armin Brunner als einen sehr grossen Unihockeyspieler. Doch dass ich ein zweiter Armin Brunner sei, tönt für mich ein bisschen komisch, weil wir nicht die gleichen Typen sind und er auch auf einer anderen Position spielt. Doch es wäre für mich ein Traum, es so weit zu bringen wie Armin Brunner. Früher habe ich immer von Schweden geträumt und wollte am liebsten schon in der U16 nach Schweden wechseln. Doch heute, als mir klar wurde, dass Ausbildung und Schule auch wichtig sind, rückt Schweden schon weiter weg, weil ich, bevor ich nach Schweden gehen würde, zuerst die Ausbildung fertig machen müsste und das dauert noch eine Weile. Doch nachher steht die Welt offen und ich hoffe, dass ich bis dahin noch viele Fortschritt machen kann, um auch mal so weit zu kommen wie Armin Brunner.
Wie geht es für dich weiter? Weisst du schon, ob du an die WM kannst?
Nein, ich weiss es nicht definitiv, ob ich im WM-Kader stehe. Doch das ist für mich nur noch ein grösserer Ansporn um diese und die nächste Saison alles aus mir rauszuholen, um in das Kader zu kommen, und für das werde ich so viel wie möglich trainieren.
Gib bitte noch einen Tipp ab für den Cupfinal. Warum wird Wasa gewinnen?
Ich denke, sie gewinnen, weil erstens im Cup alles passieren kann und zweitens die SML-Herren alles für den Sieg tun werden und von jedem Spieler eine super Leistung kommen wird. Darum bin ich überzeugt: Wir gewinnen 5:4.

Roman, herzlichen Dank für das Interview und weiterhin so viel Erfolg auf dem Feld!
Gern geschehen, danke.
Interview: Dominik Pérez
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Resultate
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WaSa - Tigers 4:11 (3:4, 0:3, 1:4) |
Damen 5. Runde Finalpoule |
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Zugerland - WaSa 7:3 (3:0, 4:1, 0:2) |
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